Jeder kennt eBay. Gestartet wird mit einem niedrigen Einstiegsangebot und die Bieter steigern den Preis so lange, bis entweder die Auktionszeit erreicht ist oder dem individuellen Bieter die Luft ausgeht. Man kann sich die Höhe der einzelnen Gebote anschauen und sich ausführlich über Anbieter und Käufer informieren. Zahlen muss am Ende nur derjenige mit dem höchsten Gebot. Die anderen Mitbieter haben außer ein paar Haaren nichts verloren.
Und jetzt kommt Swoopo (ehemals Telebid). Die Sofina GmbH aus München hat die Lizenz zum Geld drucken entdeckt. Das Auktionsprinzip: Waren werden zu einem Startpreis von wenigen Cent auf die Website gestellt. Gleichzeitig läuft ein Timer gegen Null. Wer nun eines der begehrten Produkte haben möchte, klickt einfach auf “Bieten”. Dabei passieren drei Dinge:
1. Vom eigenen Konto werden 50 Cent abgezogen. Jeder Bietvorgang kostet 50 Cent.
2. Der Timer erhöht sich um 10, 15 oder 20 Sekunden.
3. Der Auktionspreis steigt um 10 Cent.
Die Verlockung ist groß, dem niedrigen Gebotspreis zu erliegen. Den Gewinn macht indes der Anbieter. Zum einen werden für jedes Gebot 50 Cent fällig, zum anderen ist völlig undurchsichtig, wann es zu einem Auktionsende kommen wird. Denn “dank” Bietagent kann man auch in der Abwesenheit ständig den Preis und damit das Auktionsende in die Höhe treiben.
Wenn man grob rechnet, dass der Anbieter auf einen Artikel ca. 1000 Gebote bekommt, so beträgt der Gewinn durch Gebühren allein schon 500 Euro. Damit ist auch erklärbar, wie ein teures Handy zum Neupreis von 300 Euro für 50 Euro verkauft werden kann. Am Schluss bleibt für den Betreiber ein Gewinn von 250 Euro.
Swoopo glänzt durch Intransparenz.
Die fehlende Transparenz fällt allerdings noch fataler aus als die 50 Cent pro Gebot. Zwar wird angezeigt, welcher Benutzer den Zuschlag am Ende erhalten hat. Doch dies ist auch die einzige Information. Es gibt keine Benutzer-Historie, was der einzelne Kunde in der Vergangenheit sonst so erstiegert hat. Auch gibt es keine detaillierte Aufstellung über alle eingegangenen Gebote zu einem Artikel. Es mehren sich auf diversen Internetseiten die Gerüchte, dass Swoopo (ehemals Telebid) noch nie ein Gerät wahrlich versendet hat. Die Undurchsichtigkeit beim Bieten und den nicht aufrufbaren Benutzerkonten erhöhen nicht ernsthaft die Glaubwürdigkeit der Angebote. Geht man nach den Aussagen einiger Beobachter, stellt sich der Verdacht, Swoopo hat genügend automatische Bietagenten im Hintergrund laufen, welche für eine stetige Gebotsabgabe sorgen. Überprüfen lässt sich dieser Verdacht leider nicht. Und dann ist da noch die Tatsache, dass der Betreiber – die Sofina GmbH – in der Vergangenheit wohl schon etliche Blog-Betreiber per Anwalt hat abmahnen lassen – wegen Geschäftsschädigung und Aussage falscher Tatsachen. Wenn man allerdings im Gegenzug nichts gegen die Intransparenz unternimmt, braucht man sich über solche Spekulationen auch nicht wundern.
Swoopo kann man zu diesem Geschäftsmodell gratulieren. Der Kunde wird durch extrem niedrige Gebote “geblendet” und vergisst im Bietrausch schnell, dass jedes seiner Gebote 50 Cent gekostet hat. Dadurch finanziert sich der Betreiber und kann teure Markenprodukte zum Schleuderpreis per Auktion anbieten. Um keinen Einblick in die Gebote und die Kunden zu bekommen, belässt man es bei der Intransparenz und hofft darauf, dass die Besucher sich darüber keine Gedanken machen.